Materialkunde Lexikon

Materialkunde in der Motorradbekleidung
Egal ob im Motorradhelm, im Handschuh oder doch im Tourerstiefel überall finden sich ausgeklügelte Technologien wieder die für mehr Komfort, Sicherheit und Langlebigkeit der Bekleidung sorgen.

Lederarten

Lederarten
Leder ist und bleibt unschlagbar in puncto Sicherheit. Sie ist die ‚zweite Haut‘ des Bikers und ist höchst Abriebfest und sehr Scheuerbeständig. Leder hat einen hohen Tragekomfort und besitzt, mit der richtigen Pflege eine lange Lebensdauer.
Lederbekleidung sollte immer eng anliegend- sitzend gekauft werden, da es beim Tragen arbeitet und sich mich der Zeit anpasst und dehnt.

Oberleder: Das Oberleder ist die oberste Hautschicht. Dies ist das hochwertigste, scheuerfesteste und widerstandsfähigste Leder. Man erkennt es an der ‚echten Haut Struktur‘ des Tieres.

Spaltleder: Das Spaltleder besteht aus der untersten Hautschicht. Dieses ist zwar auch reiß- und scheuerfest, aber nicht so hochwertig und langlebig wie das Oberleder. Oft wird die Struktur des Oberleders mit einer Walze auf dem Spaltleder nachgeahmt.

Amara Kunstleder: Kunstleder besteht aus 60% Polyamid und 40% Polyurethan. Meistens wird es für die Herstellung von Cross Handschuhen genutzt, da es mit einem Antirutsch-Effekt ausgestattet wird. Es ist wetterbeständig, weich und bietet eine gute Taktilität. Optisch ähnelt das Kunstleder sehr dem echten Leder. Es ist die preiswertere Alternative zu dem Echtleder.

Rindsleder: Das Leder vom Rind ist das am weitesten verbreitet. Es ist ca. 1cm dick und ist hoch abrieb- und scheuerbeständig.

Soft-Rindsleder: Das Soft Rindsleder stammt meistens vom Kalb und ist sehr weich und geschmeidig.

Ziegenleder: 8-10% der Lederproduktion ist Ziegenleder. Da dieses Leder keine Fetteinlagerungen hat, ist es sehr widerstandsfähig, geschmeidig und fein. Daher wird es sehr oft für die Innenhand der Motorrad Handschuhe verwendet.

Känguruleder: Das Känguru Leder kann viel dünner verarbeitet werden als andere Lederarten und ist dennoch genauso Stabil und Reißfest. Daher ist das mit Känguru gearbeitete Produkt leichter, sehr geschmeidig und trotzdem abriebfest.
(Känguruleder ist nach ca. 4.000 Umdrehungen durchgescheuert.)

Rochenleder: Rochen Leder ist eher selten und hochpreisiger. Es ist extrem Abriebfest und wird meistens für Sturzgefährdete Bereiche wie die Handkanten des Motorrad Handschuhes verwendet.
(Rochenmaterial ist nach 20.000 Umdrehungen durchgescheuert.)

Haarschafsleder: Das Haarschaf ist eine Kreuzung zwischen Ziege und Schaf und kommt nur im Bergland vor. Dieses Leder ist sehr weich und angenehm zu Tragen. Da es dichtere Poren hat als andere Lederarten, ist es haltbarer und ist widerstandsfähiger gegen Nässe und Schweiß. Verwendet wird es meist für Motorradjacken und Handschuhe.

Vegetable Tanning: Das ‚Vegetable Tanning‘ ist eine Gerbung mit pflanzlichen Gerbstoffen. Diese sind hautverträglicher, langlebiger als andere. Allerdings ist dieses Verfahren auch aufwendiger als andere und das Leder ist dadurch weniger dehnbar.

TFL-Cool-System®: Hier wird ein spezielles Gerbverfahren mit Mikroreflexpartikeln  angewandt. Durch diese Partikel wird das Sonnenlicht reflektiert (wie bei hellen Farben) und die Temperatur sinkt um bis zu 12 Grad. Dies macht einen gewaltigen Temperatur Unterschied bei Sommerfahrten in schwarzer Lederbekleidung.

Corium+® (Membrane): Hierbei wird die vielseitige Ledertechnologie durch eine Schutzeigenschaft ergänzt. Durch die ‚Membrane‘ wird das Leder wasserdicht, winddicht und atmungsaktiver.

Fasern & Gewebe

Fasern & Gewebe
Die aufgeführten Materialien werden für fast alle Richtungen der Motorradbekleidung verwendet. Seien es für Motorradjacken, Hosen, Handschuhe, Funktionsunterwäsche oder Handschuhe.

Cordura®: Cordura ist ein Polyamid-Gewebe von DuPont. Die aus geschnittenen und versponnenen Fasern sind besonders hochwertig, deutlich abriebfester und eignet sich daher sehr gut für Schutzkleidung. Der Stoff hat eine natürliche Weboptik, ist leicht strukturiert und sehr angenehm.

DuPont™ Kevlar® Faser: Diese Fasern bestehen aus Aramid. Sie ermöglichen eine höhere Sicherheit und Langlebigkeit, da sie hitzeresistent, außerordentlich stark, abriebfest und leicht sind. Die Kevlar® Faser wird oft als eine Verstärkung in Sturzgefährdeten Bereichen bei Motorradbekleidung verwendet.

Armalith® Denim Gewebe: Das Gewebe ist eine Kombination aus einer UHMWPE-Faser (Polyethylen mit hohem Molekulargewicht) und Baumwollfasern. Es ist hochreißfest, wasserabweisend und hat einen hohen Tragekomfort. Armalith® wurde ursprünglich für das Militär und die Weltraumtechnik entwickelt und ist heutzutage auch in Motorrad Bekleidung wiederzufinden.

Armacor®: Es ist ein von GORE-TEX® patentierte Ripstop-Struktur mit einem integrierten Kevlar® Kern. Dieser ist mit Cordura® überzogen. Es weist eine hohe Reiß- und Abriebfestigkeit und eine hohe Wärmebeständigkeit auf.

Airguard: Airguard ist eine speziell entwickelte Hohlfaser aus 100% Polyamid. Durch die leichte Hohlfaser entsteht ein Luftpolster welches zu einer besseren Luftzirkulation führt und eine bessere isolierende Wirkung gegen Hitze und Kälte hat. Ebenso ist Airguard sehr Scheuer- und Reißfest und ist wind- und wasserabweisend.

COOLMAX®: Dieses Material, aus 100% Polyester, bietet ein angenehmes Tragegefühl da es sehr leicht, atmungsaktiv und schnelltrocknend ist. Bei wärmeren Fahrten hält das Material schön kühl.

Canvas-Cotton: Canvas ist windabweisend, atmungsaktiv und durch die Webtechnik sehr belastbar. Die Widerstandsfähigkeit und Reißfestigkeit wird durch das Naturprodukt Baumwolle gegeben.

Canvas-Cotten Wax: Durch die Behandlung mit speziellem Wachs, wird das Canvas-Cotton nachträglich noch wasserabweisend.

DENIM: Dieser strapazierfähige Baumwoll Stoff wird hauptsächlich für Jeanshosen verwendet.

Flanell: Ein Gewebe, das zu 100% aus Baumwolle gefertigt wird. Die dichte Struktur bietet durch zusätzliche Luftpolster eine angenehme Wärme, hohe Saugfähigkeit und eine anschmiegsame Oberfläche.

Elasthan: Elasthan ist eine Gummi ähnliche Chemiefaser, die bis auf das Dreifache gedehnt werden kann. Es ist allerdings haltbarer und hat eine höhere Festigkeit als Gummi.

Heros®-Tec-Gewebe: Diese Synthetik Faser besteht zu 100% aus Polyester und ist aus linearen Makromolekülen. Die Grundeigenschaft ist die Formbeständigkeit, geringe Feuchtigkeitsaufnahme und Reißfestigkeit.

Neoprene: Dies ist ein Synthesekautschuk, der auch im Automobilbau, für wärmende Sportbekleidung oder ähnliches eingesetzt wird. Neopren ist häufig von Textilgewebe kaschiert, damit die Oberfläche weniger anfällig für Beschädigungen ist.

Nylon: Das Gewebe ist aus einem strapazierfähigen und reißfesten Textilstoff, aus der Polyamid-Endlosfaser hergestellt. Meist besitzt diese eine wasserdichte Beschichtung oder Imprägnierung. Durch das niedrige Gewicht, die Schmutzunempfindlichkeit und die hohe Strapazierfähigkeit eignet sich das Nylon Gewebe sehr gut für die Herstellung von Regenbekleidung.

Outlast®: Dass für die Raumfahrt entwickelte Thermo Material reagiert sehr empfindlich auf Temperaturschwankungen. Je nach Körper, bzw. Hauttemperatur absorbiert und speichert das Material Wärme, was es bei Bedarf an den Körper zurückgibt. Es verhindert eine Überhitzung und reduziert die Produktion von Schweiß. Es sorgt für eine angenehme Temperatur und einen guten Tragekomfort der Motorradkleidung.

Polyamid: Ein synthetischer Faserstof, der extrem scheuer- und reißfest ist. Dieser nimmt kaum Wasser auf und ist vor allem Strapazierfähig.

Softshell: Dies ist ein hoch atmungsaktives Stretch Material, das sehr leicht, bielastisch, wärmend, winddicht und feuchtigkeitsabweisend ist. Die Fleece Schicht auf der inneren Seite leitet die Feuchtigkeit von der Haut weg, wobei die äußere Seite eine wasserabweisende Schicht bietet.

Vlies: Hier wird in der Herstellung die Faser nicht verwoben, sondern verfilzt. Das Vlies kann, je nach Herstellung, sehr reißfest sein.

Primaloft: Primaloft, auch oft ‚‚synthetische Daune‘‘ genannt, ist eine High-Tech-Faser aus dünnen Polyester Fäden, die zu einem ganz luftigen Filz verarbeitet werden. Diese ist sehr leicht, nimmt kaum Feuchtigkeit auf und bietet ein erstaunlich trockenes und angenehmes wärmende Klima.

Stretchgewebe: Dies ist ein Funktionsgewebe aus Polyester, Cordura oder Polyamid. Es ist sehr Strapazierfähig, atmungsaktiv, langlebig und bietet eine hohe Bewegungsfreiheit und Tragekomfort.

Taslan: Ein extrem wasserabweisendes und winddichtes Gewebe aus Kunstfasern, die meist aus Polyamid sind. Taslan ist atmungsaktiv und ermöglicht einen Feuchtigkeitstransport von innen nach außen.

Superfabric®: Dies ist ein Materialmix aus 68% Epoxidharz und 32% Polyester. Das Material überzeugt durch hohe Abrieb- und Reißfestigkeit. Es wird daher oft an Sturzgefährdeten Stellen wie Handballen, Fingerknöcheln etc. verwendet.
(nach 10.000 Umdrehungen nur stellenweise durchgescheuert)

schoeller®-keprotec®: Dies ist ein Mischgewebe aus Cordura® und Kevlar®, welches an sturzgefährdeten Bereichen verwendet wird, da es sehr guten Schutz vor Hitze und Reibung bietet.

3M™Scotchlite™: Ein reflektierendes Material, das bei der heutigen Motorradbekleidung verwendet wird. Es bietet höchsten Schutz vor Unfällen durch die bessere Sichtbarkeit des Motorradfahrers.

Silverplus: Eine Hygiene Ausrüstung von der RUDOLF-Group. Diese ist auf der Basis von Silberionen, die verhindern, dass Bakterien sich ungehemmt auf der Textiloberfläche vermehren können und unterdrücken den tückischen Schweißgeruch. Die Textilien werden schon bei einer 40° C. Wäsche hygienisch sauber. Das Silverplus Material wird daher sehr gerne für Funktionsunterwäsche verwendet.

Membranen

Membranen
Klimamembranen schützen den Körper vor Feuchtigkeit von außen und halten den Fahrtwind ab. Außerdem transportieren sie den Körperschweiß von innen nach außen und sorgen damit für ein trockenes und angenehmes Tragen.

Gore-Tex®: Diese Membrane ist ein sehr bekanntes und qualitativ hochwertiges Produkt. Sie weist pro Quadratzentimeter über 1,4 Milliarden mikroskopisch kleine Poren auf, die rund 20.000mal kleiner als ein Wassertropfen, jedoch 700mal größer als ein Wasserdampfmolekül sind. So entsteht eine 100% wasserdichte aber auch sehr atmungsaktive Membrane die alle Anforderung für einen tauglichen Wetterschutz in der Bekleidungsbranche mitbringt.

OutDry®: Diese Membrane wir dank eines patentierten OutDry® Laminierungs-Prozesses direkt von innen an das Außenmaterial laminiert. Daher entsteht eine Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität, sowie eine Versiegelung von möglichen Wasser-Eintritts-Punkten.

REISSA® Membrane: Dies ist eine dreilagige mikroporöse Membrane mit einer PU Beschichtung mit unterschiedlich großen Poren. Diese Membrane ist sehr dünn, weich, wind- und kältebeständig und natürlich wasserdicht und atmungsaktiv.

Hartkunststoffe

Hartkunststoffe
Hartkunststoffe werden zur Herstellung von Helmschalen verwendet. Auch hier gibt es viele Unterschiede der Materialien zur Verwendung von Motorradhelmen.

ABS: ABS ist ein Thermoplast, genauso wie das Polycarbonat. Es besitzt eine gute Schlagfestigkeit, eine hohe Oberflächenhärte die zusätzlich noch kratzfest ist. Die Helme aus ABS werden in einem maschinellen Spritzgussverfahren in einem Stück, unter hohem Druck und mit hoher Temperatur gegossen. Thermoplast Material sollte nicht um lackiert oder beklebt werden, da dies zu Beschädigungen der Außenschale führen kann.

Fiberglas: Fiberglas ist ein Duroplast-Material. Hier werden bei der Herstellung mehrere Schichten Glasfasern von Hand laminiert und in einer Form aus Metall ‚gebacken‘. Duroplast, bzw. Fiberglashelme sind widerstandsfähiger, langlebiger als ABS Helme.

Tricomposite: Hier wird ein Mix aus Fiberglas, Carbon und Kevlar zur Herstellung des Helmes verwendet. Dadurch ergibt sich ein besonders stoßfester und leichter Motorradhelm.

Glasfasermatrix: Die Glasfasermatrix ist eine spezielle Technologie von dem Hersteller SCHUBERTH. Hier werden Glasfasern mit hohem Druck, von bis zu 6 bar unter Zusatz von Spezialharz und unter Einsatz von Vakuum zu einer Helmschale gepresst. Dadurch wird der Helm besonders Fest bei sehr geringem Gewicht.

Protektoren

Protektoren
Protektoren dienen zum Schutz des Motorradfahrers im Falle eines Sturzes. Meist sitzen die Protektoren in dafür vorgesehenen Taschen in der Schutzkleidung. Wie zum Beispiel an den Schultern, Ellbogen, Rücken, Hüfte oder Knien.

SAS-TEC®: SAS-TEC® Protektoren bestehen aus einem viscoelastischen PU-Schaum der zum größen Teil aus nachwachsenden Rohstoffen und nicht aus Mineralöl besteht. Je höher die Aufschlaggeschindigkeit auf den Protektor, desto größer der Widerstand des Schaums. Trotzdem passt der Protektor sich bei Körper- oder Außenwärme schön an den Körper an und sorgt damit für einen hohen Tragekomfort.

d3o™ Protektoren: Die Moleküle in diesem Material bewegen sich unter normalen Bedingungen frei, daher sind die Protektoren im Normalzustand sehr weich und flexibel. Bei einem Schlag, bzw. Sturz schließen sich die Moleküle schlagartig zusammen und bieten somit eine ausgezeichnete Stoß Absorbierung.

Suprotect® Spzialschaum: Einer der Stoffe die aus der Weltraumforschung bis zur Motorradschutzbekleidung gelangen sind. Dies ist ein offen-zelliges, atmungsaktives und viskoelastisches PU Material, das automatisch bei punktuellen Belastungen bzw. Stößen verhärtet und somit eine sehr gute Stoßabsorbierung bietet.